Die Vision - the red vision |
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Ted - der Mitbegründer von Red Vision in Paraguay - erzählt hier, über seine Visionen im Zusammenhang mit der Arbeit von Red Vision. An erster Stelle muss ich hier erklären was für mich Toleranz bedeutet. Toleranz ist entgegen der weit verbreiteten Meinung kein eigenständiger Wert, sondern wird erst dort zu einer Tugend, wo sie durch höhere Werte wie Frieden, Freiheit oder Gerechtigkeit begründet ist. Auf jeden Fall aber ist Toleranz das Gegenteil von Gleichgültigkeit: „Macht doch, was ihr wollt...“ Sie setzt vielmehr das eigene, lebendige Interesse am Anderen und den Respekt vor seiner Einstellung voraus. Vor allem aber schließt sie auch die kritische Prüfung der eigenen Überzeugungen und das aktive Eintreten dafür ein. Es kann auch „falsche Toleranz“ geben, besonders dort, wo nicht hinzunehmende moralische Vergehen geduldet werden... Toleranz ist nur dann eine positive Haltung oder Praxis, wenn sie zu etwas Gutem dient. Die Geschichte der Toleranz lässt sich denn auch als Geschichte der Begründungen verstehen, die verwendet wurden, um die drei Komponenten der Ablehnung, Akzeptanz und Zurückweisung mit Inhalt zu füllen. Diese reichen von religiösen Begründungen über liberale bis zu utilitaristischen oder kommunitären... Worauf es an dieser Stelle ankommt, ist einerseits, diese normative Abhängigkeit des Begriffs zu sehen, andererseits aber auch Kriterien für normative Begründungen zu bestimmen, die aus ihm selbst erwachsen. Eine wichtige Implikation von Ersterem ist, dass die Toleranz an sich entgegen einer weit verbreiteten Meinung kein Wert ist, sondern erst dadurch zu etwas Wertvollem wird – besonders zu einer Tugend –, dass entsprechende Komponenten gut begründet werden. So kann es auch „falsche Toleranz“ geben, besonders dort, wo nicht hinzunehmende moralische Vergehen geduldet werden... Toleranz ist somit dann eine positive Haltung oder Praxis, wenn sie zu etwas Gutem dient, d.h. wenn sie um der Realisierung höherstufiger Prinzipien oder Werte willen gefordert und dadurch gerechtfertigt ist. Was bedeuted das im Zusammenhang für Red Vision und den Kampf um indigene Völker? Toleranz bedeutet ergo, die Gleichgültigkeit gegenüber dem Verhalten der Politik, im Umgang mit indigenen Völker zu verurteilen, und diese Art der Politik nicht hinzunehmen. Das moralische Vergehen an dem indigenen Volk Paraguays kann nicht einerseits wahrgenommen, andererseits von einem Menschen toleriert werden. Die Realisierung von Red Vision war also Unabdingbar. Red Vison ist dadurch gerechtfertigt, da wir das Vergehen an Menschen, an Indianern der neuen Welt, nicht hinnehmen und die Hilfe in das Zentrum unseres Lebens stellen. Falsche Toleranz ist also das Wissen um die Not der Indianer und zu akzeptieren das ich mein Leben ohne Hilfe fortsetze. Wer also nur behauptet ein tolaranter Mensch zu sein, Minderheiten und Indigene zu akzeptieren, jedoch keine konkrete Hilfe leistet, ist einer falschen Toleranz unterlegen. Den Indianern Paraguays zu Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit zu verhelfen ist Red Vision´s und mein persönliches Ziel. Nur ein paar Leser dieser Zeilen, Freiwillige oder Unterstützer mit meinen Worten zu erreichen und dadurch das Lächeln eines indianischen Kindes zu empfangen ist es wert, diesen, unseren gemeinsamen Kampf für die Indigenen fortzusetzen. Sicher gibt es für jeden persönliche Gründe zu helfen oder es zu lassen. Jeder ist durch unterschiedliche, äußere Einflüsse zu dem einen - oder anderem bereit. Doch persönlich ist mein Leben besonders dann in Balance, nachdem ich ein bischen helfen konnte. Wir können die Wechselfälle unseres Lebens weder kontrollieren noch anhalten, doch wir können lernen, sie auszubalancieren. Das ist die größte Kunst des spirituellen Lebens. Dafür gibt es keine Rezeptur. Wir müssen einfach lernen, mit offenem Herzen auf das zu hören, was jetzt in diesem Moment da ist und Not tut. Komm zurück in Deine Mitte, und du wirst den wahren Weg finden.
Die moderne Welt ist von großen Ideen entzaubert und ohne traditionelles Werte-Korsett. Der verlorene Sinn wird durch materielle Dinge ersetzt: durch Geld und Luxus, Erfolg und Prestige, Zerstreuungen und extreme Erfahrungen. Wo sich aber nichts mehr von selbst versteht, muss man selbst verstehen und nach Auswegen aus der Sinnkrise suchen. Dabei genügt es nicht, die Zusammenhänge des Lebens nur intellektuell zu analysieren, denn der Sinn des Lebens ist auch eine Frage der Deutung und Interpretation. Und die Antwort darauf kann nur spontan aus unserem innersten Wesen kommen.
In unserer Wirklichkeit versteht sich nichts mehr von selbst – und dieser Selbstverständlichkeitsverlust ist selbst schon selbstverständlich geworden. Deswegen gehört es schon zum guten Ton, nach dem Sinn des Lebens zu fragen. Das Heilsversprechen der Religion, die Utopie der Politik, das Bildungsideal des Humanismus – all das ist für uns historisch geworden. In diesen Traditionen stecken keine Modelle für eine postmoderne Lebensführung, sondern allenfalls Themen für Dissertationen. Damit hat das Leben heute aber auch kein Werte-Korsett mehr, keinen Außenhalt in großen Ideen und Institutionen. Man muss nun selbst entscheiden, wer man ist – Sinn wird zunehmend zur Privatsache. Darin steckt eine Belastung des Einzelnen, die durch das Zauberwort „Selbstverwirklichung“ mehr versteckt als benannt wird. Die moderne Welt ist entzaubert, entauratisiert – das macht sie überraschungssicher und technisch beherrschbar. Modernisierung heißt immer auch: Verlust an Bedeutsamkeit. Eine weiterer Traum ist es Menschen zu finden, die wie ich dieser modernen Welt entfliehen wollen, um in einem kleinen Paradies zu leben, mit der oben beschriebener Toleranz gegenüber der Mitbewohnern und dem indigenen Volk. Paraguay bietet dafür die ideale Möglichkeit, zum einem sich einen ungestörten Lebensraum zu schaffen, ihn finanzierbar zu machen, und zum anderen eben genau diese Werte und den Sinn des Lebens erneut zu finden. Einen Ort in dessen Zentrum friedvolle, tolerante, hilfsbereite Menschen leben, die der ignoranten, anonymen Großstadt entfliehen wollen. Einen Ort der nur eine Regel kennt - Toleranz. Statt Bestimmungen, Paragraphen und Reglementierung - Akzeptanz. Ein Ort mit dem Namen: Ñande Ru. (Benannt nach dem Gott der Gurani der den Indianern das Land "ohne Böses" schenkte) Diese Vision ist mehr als eine abstrakte Idee und durchaus hier, in diesem Land realisierbar. In Europa müßte es eine Vision bleiben, vieles würde dagegen sprechen. Von den Grundstückspreisen, bishin zur Gesetzgebung. Hier in Paraguay existiert mehr oder weniger ein gesetzfreier Raum ohne Bauauflagen oder andere hinderliche Gesetzgebung. Der Weg ist einfach - man nehme ein Stück Land, bilde eine Intressengemeinschaft, bebaut dieses Land und gibt dem Ort der Erfüllung einen Namen. Und was hat das mit der Hilfe für indigene Völker zu tun? Alleine durch die Pflege und Bebauung des Grundes, wären fünf bis zehn indianische Familien beschäftig und versorgt. Nach Fertigstellung und Ansiedlung einiger Indianer, könnten diese weiterbeschäftigt werden - denkbar wäre als Gärtner, Hauspersonal oder Wachpersonal. In jedem Falle eine nachhaltige Indianerhilfe.
Ted Schilligs für Red Vision
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